ARP
Link-Schicht (1/2)
Das Problem: IP kennt MAC nicht
Im LAN werden Daten letztlich per Ethernet-Frame zugestellt, und der Frame braucht eine Ziel-MAC-Adresse. Anwendungen und das Internet arbeiten aber mit IP-Adressen auf Schicht 3. Ein Computer weiß also: „Ich will an 192.168.1.20 senden“ – aber welche MAC-Adresse gehört zu dieser IP? Genau diese Lücke schließt ARP, das Address Resolution Protocol. Es übersetzt eine IP-Adresse in die zugehörige MAC-Adresse im selben Netz.
ARP-Request und ARP-Reply
Der Ablauf ist denkbar einfach und läuft als Frage-Antwort-Spiel:
- ARP-Request: Der Sender schickt einen Broadcast an alle: „Wer hat
192.168.1.20? Sag es192.168.1.10.“ - ARP-Reply: Nur der Besitzer der gesuchten IP antwortet – per Unicast: „Das bin ich, meine MAC ist
AC:DE:48:00:33:44.“
PC-A (192.168.1.10) PC-B (192.168.1.20) | | | ARP-Request (Broadcast) | | "Wer hat 192.168.1.20?" ----> | (alle hören mit) | | | ARP-Reply (Unicast) | | <---- "Ich, MAC AC:DE:48:..:44" | v v Frame kann nun gesendet werden
Der ARP-Cache
Damit nicht vor jedem Frame neu gefragt werden muss, speichert jedes Gerät die gelernten Zuordnungen eine Weile in seinem ARP-Cache (auch ARP-Tabelle). Einträge laufen nach kurzer Zeit ab und werden bei Bedarf neu erfragt.
$ ip neigh 192.168.1.1 dev eth0 lladdr ac:de:48:00:00:01 REACHABLE 192.168.1.20 dev eth0 lladdr ac:de:48:00:33:44 STALE
| IP-Adresse | MAC-Adresse | Status |
|---|---|---|
| 192.168.1.1 | AC:DE:48:00:00:01 | REACHABLE |
| 192.168.1.20 | AC:DE:48:00:33:44 | STALE (läuft ab) |
Sicherheitsrisiko: ARP-Spoofing
ARP hat eine gefährliche Schwäche: Es gibt keine Prüfung, ob eine Antwort echt ist. Jeder im Netz kann ungefragt ARP-Replies senden – und Geräte übernehmen sie blind in ihren Cache. Diesen Angriff nennt man ARP-Spoofing (oder ARP-Poisoning):
Angreifer behauptet:
"192.168.1.1 (der Router) = MEINE MAC"
|
v
Opfer schickt nun allen Internet-Verkehr
an den Angreifer → Man-in-the-Middle
Der Angreifer schaltet sich so unbemerkt zwischen Opfer und Router (Man-in-the-Middle) und kann den Verkehr mitlesen oder manipulieren – sofern dieser nicht zusätzlich verschlüsselt ist.
Wie wird ein ARP-Request üblicherweise verschickt?
Schutzmaßnahmen
Gegen ARP-Spoofing helfen mehrere Ansätze: Dynamic ARP Inspection auf Managed Switches prüft ARP-Antworten gegen bekannte Zuordnungen; statische ARP-Einträge für kritische Geräte lassen sich nicht so leicht überschreiben. Am wichtigsten aber: Verschlüssele deinen Verkehr (HTTPS, VPN). Dann kann ein Angreifer zwar den Weg umleiten, den Inhalt aber nicht lesen. Damit schließt du den Grundlagenteil der Link-Schicht ab.