System-Monitoring
Pakete, Datenträger & Netzwerk
Den Systemzustand verstehen
Wenn ein Server langsam wird oder ein Programm ständig abstürzt, musst du herausfinden, warum: Ist der Arbeitsspeicher voll? Ist die CPU überlastet? Wartet das System auf die Festplatte? Linux liefert dafür eine Reihe kompakter Werkzeuge, mit denen du Arbeitsspeicher, Last und Ein-/Ausgabe schnell beurteilen kannst.
free: Arbeitsspeicher
free -h zeigt die Belegung von RAM und Swap in lesbarer Form:
$ free -h
total used free shared buff/cache available
Speicher: 15Gi 4,2Gi 6,1Gi 320Mi 5,3Gi 10Gi
Swap: 2,0Gi 0B 2,0Gi
Wichtig ist die Spalte available, nicht free: Linux nutzt freien Speicher als Cache (buff/cache), gibt ihn aber bei Bedarf sofort frei. Ein kleiner free-Wert ist also normal und kein Problem.
uptime: Laufzeit und Last
uptime zeigt, wie lange das System läuft, und die Load Average – die durchschnittliche Systemlast der letzten 1, 5 und 15 Minuten:
$ uptime 11:42:03 up 7 days, 3:14, 2 users, load average: 0,45 0,60 0,72
Faustregel: Liegt die Load über der Anzahl deiner CPU-Kerne, ist das System überlastet. Bei 4 Kernen ist eine Load von 4,0 die volle Auslastung. Wie viele Kerne du hast, zeigt nproc.
vmstat: CPU, Speicher und Swapping
vmstat gibt eine kompakte Gesamtübersicht. Mit einem Intervall (in Sekunden) wird sie fortlaufend aktualisiert:
$ vmstat 2 procs -----------memory---------- ---swap-- -----io---- -system-- ------cpu----- r b swpd free buff cache si so bi bo in cs us sy id wa st 1 0 0 6240000 120000 5300000 0 0 12 34 210 450 3 1 95 1 0
Achte auf si/so (Swap rein/raus – sollte 0 sein) und wa (CPU wartet auf I/O). Hohe Werte dort deuten auf Speicher- bzw. Festplattenengpässe hin.
iostat: Festplatten-Durchsatz
iostat (aus dem Paket sysstat) zeigt die Auslastung der Datenträger – nützlich, wenn wa hoch ist:
$ iostat -x 2 Device r/s w/s rkB/s wkB/s %util sda 5,2 12,1 210,0 480,0 8,30
Die Spalte %util nahe 100 % bedeutet, dass die Platte der Flaschenhals ist.
dmesg und der Gesamtblick
Bei Hardware-Auffälligkeiten lohnt ein Blick mit dmesg -T auf die Kernel-Meldungen – etwa bei Plattenfehlern oder überhitzter CPU. Für eine Live-Gesamtübersicht eignet sich htop aus dem Kapitel Prozesse.
| Werkzeug | Antwort auf die Frage |
|---|---|
free -h | Ist der Speicher voll? |
uptime | Wie hoch ist die Last? |
vmstat | Wird geswappt? CPU-Verteilung? |
iostat | Ist die Platte der Flaschenhals? |
Hinweise & Sicherheit
Ein einzelner Wert sagt wenig – beobachte die Werte über die Zeit (z. B. vmstat 2), um Trends zu erkennen. Ständiges Swapping (si/so dauerhaft hoch) ist der häufigste Grund für ein zähes System; oft hilft mehr RAM oder das Beenden eines Speicherfressers. Sicherheitsrelevant: Ein plötzlicher, unerklärlicher Anstieg von CPU-Last oder Netzwerkverkehr kann auf einen kompromittierten Dienst oder Kryptominer hindeuten – prüfe dann mit ps/top und den Logs, was die Last verursacht. Den Plattenplatz behandelt das Kapitel Datenträger.
Welche Spalte von free -h gibt am ehrlichsten an, wie viel Speicher wirklich verfügbar ist?